Samstag, 29. September 2018

Québec City - Trois-Rivières

Geweckt vom Regen, der auf das Dach meines Zimmers prasselte, machte ich mir erst einmal keine große Hoffnung auf einen schönen Tag, zumindest was das Wetter betraf. Bald darauf war ich dann mit dem Auto auf den Schnellstraßen quer durch Quebec und bekam zumindest etwas Hoffnung. Ein blaues Loch voll Sonnenschein war in der Wolkendecke zu sehen und genau in der Richtung, in der ich unterwegs war. Das war der Parc de la Chute-Montmorency, im Nordosten von Quebec.
Mittelpunkt und Highlight dieses Park sind die Montmorency Falls, mit einer Fallhöhe von 83 Metern. Auf einer Seite der Fälle kann man mit einer Seilbahn auf den Berg hinauf fahren, auf der anderen Seite führt eine in den Berg gebaute Holztreppe zu den Fällen hinauf und eine schmale Hängebrücke, direkt über der Fallkante, verbindet beide Seiten.  Für die ganz Wagemutigen gibt es hier auch eine Seilrutsche, an die man sich hängen und von einer Seite zur anderen and dieser Zipline rutschen kann. In den 3 Stunden, die ich hier war, hat dies jedoch niemand gemacht. Ich konnte aber 2 Mitarbeiter sehen, die wirklich jede Schraube und jedes Seil und jede Halterung der Seile überprüft haben und sich über die Fälle gehangelt haben. Nein danke, nichts für mich.
Wer in Quebec unterwegs sein sollte, für den lohnt es sich in jedem Fall, hier ein paar ruhige Stunden zu verbringen. Selbst im Winter soll es spektakulär sein, weil die Fälle wohl, zumindest teilweise, immer wieder zufrieren und sich dabei interessante Eisformationen bilden sollen.






Blick auf Quebec






Gegen Mittag habe ich mich dann auf den Weg gemacht und bin wieder entlang des Sankt-Lorenz Stroms in Richtung Montreal gefahren. Auch heute wieder nicht auf der "Autobahn", damit ich gemütlich die Aussicht genießen und ab und an auch mal eine Pause einlegen konnte.
Hier, entlang des Flusses, hatte ich auch den Indian Summer, den ich in den USA vermisst habe. Viele Bäume in grünen, roten und gelben Farben bilden ein echt schönes Bild. 

Etwas nervös wurde ich heute, als in eine Ortschaft fuhr und am Straßenrand, hinter einem Schild, ein Polizeiauto den Verkehr beobachtete. Kaum war ich vorbei, startete der Wagen, kam auf die Straße und folgte mir. Diesmal war ich mir zwar keiner Schuld bewusst, aber was heißt das schon. Allerdings wollte er nichts von mir und bog dann irgendwann ab. 
Ich war zwar heute nie zu schnell, aber sicher, dass ich nichts falsch gemacht habe, war ich mir in Kanada bisher noch nie. Das Auto fahren finde ich hier deutlich unentspannter, als es in den USA ist. Es erinnert mich an Deutschland, allerdings mit viel schlechterer Beschilderung. Wenn man sich nicht auskennt und in einer Baustelle dann die Spuren auch anders verlaufen, als es mein Navi anzeigt, dann kann es schon mal ungemütlich werden.

Eine kurze Pause am Flussufer. 

Tagesziel war heute der Ort Trois-Rivieres. Nach Quebec City die zweitälteste Siedlung in der Region Quebec und früher ein wichtiger Handelsstützpunkt. Der Name deutet zwar darauf hin, dass hier drei Flüsse zusammen laufen, allerdings geht es nur um den Saint-Maurice-River, welcher hier in drei Arme aufteilt, die, wie ein kleines Delta, in den Sankt-Lorenz-Strom fließen.

Auf dem Weg zu meiner Unterkunft kam ich an einer Highschool vorbei, an der sich gerade zwei Football-Mannschaften aufwärmten. So habe ich mir hier einen Parkplatz gesucht und habe mir ein Highschool-Football-Spiel zwischen den VertEtOr und den Cobras angesehen, welches die Cobras gewonnen haben. Das Spiel selber war jetzt nicht so aufregend, da die Heimmannschaft schon Schwierigkeiten hatte, einen Ball überhaupt zu fangen, was ich aber sehr interessant fand, hier wurde jedes Klischee bedient. Wenn man so etwas in einem Film mal gesehen hat, genau so war es hier.


Nach dem Spiel habe ich dann meine Unterkunft bezogen, ein Bed&Breakfast direkt im Zentrum, welches vier Zimmer hat, die sehr liebevoll geführt und gepflegt werden. Die Hauswirtin hat sich alle Mühe gegeben, mich freundlich aufzunehmen und mir zu erklären, was ich in der Stadt machen kann und welche Auswahl ich für das Frühstück habe. Ich bin mir zwar nicht sicher, dass ich die Mischung aus Englisch und Französisch richtig verstanden habe, aber ich glaube, ich bekomme morgen Rührei mit Speck. Entschuldigt hat sie sich nur dafür, mir ein recht rosafarbenes Zimmer zu geben, aber ich versicherte ihr, dass ich auch darin gut schlafen werde.


Den Nachmittag verbrachte ich mit einem kleinen Stadtrundgang. Der Ort ist klein, aber sehr nett und so typisch französischer Kolonialstil, wie ich in bisher noch nicht gesehen habe. Ein paar Erinnerungen an New Orleans kamen auf, allerdings war es damals dort wärmer und die Musik besser.
Am Abend habe ich dann gemütlich gegessen und dabei College-Football geschaut.





Freitag, 28. September 2018

Rivière-du-Loup - Québec City

Wie schon angekündigt, hat heute für mich die Rückreise begonnen und es ging entlang des Highway 20 und des Stankt-Lorenz-Stroms, in Richtung Süd-Westen. Etwas mehr über 200 Kilometer, kann man zusehen, wie der Fluss schmaler und schmaler wird, bis er vor Quebec City nur noch etwa 2000 Meter breit ist. Entlang der Strecke passiert man sehr viele kleine Orte und schöne Landschaften und habt eine tolle Aussicht auf die Hügel auf beiden Seite des Ufers, die hier, bewaldet, in bunten Farben, einen schönen Rahmen bieten.
Leider war das Wetter heute morgen recht bewölkt und immer wieder tropfte es auf meine Windschutzscheibe, aber nicht kontinuierlich und auch nicht stark genug, um nicht immer wieder, an Aussichtspunkten, einen Stopp einzulegen und den Blick über den Strom zu genießen. So brauchte ich dann auch länger als notwendig, bis zum Tagesziel, Quebec City.






Quebec City ist die Hauptstadt der Region Quebec und der Name hat indianischen Ursprungs. Er bedeutet so viel wie, wo der Fluss schmaler wird. Der Sankt-Lorenz-Strom verjüngt sich hier nochmal bis auf ca. 800 Meter breite. 
Quebec ist die bisher europäischste Stadt, die ich in Nordamerika gefunden habe. Verwinkelte, enge Gassen, Steinmauern, eine Stadtmauer, vieles hier wirkt nicht so typisch nordamerikanische, wie ich es bisher kenne. Die Stadt selber ist auch sehr stolz auf ihren französischen Ursprung und viele Traditionen sind hier überall zu finden und, so wurde es zumindest während einer Führung in der Zitadelle oberhalb der Stadt erzählt, beheimatet es mit dem 22nd Regiment, das größte und einzige "französische" Regiment innerhalb der kanadischen Armee, welche ja der britischen Krone unterstellt wird. Das Staatsoberhaupt hier ist die englische Königin, die auch auf der 20 Dollar Note in Kanada zu sehen ist. Man darf hier den Namen des Vingt-deuxieme auch nur französisch aussprechen und nicht übersetzen.
Innerhalb der Zitadelle ist auch die offizielle Residenz des Gouverneurs, des ständigen Vertreters der Königin, welche, wenn ich richtig verstanden habe, derzeit wohl eine ehemalige kanadische Astronautin ist, welche zweimal im Weltraum war. In den Sommermonaten findet hier wohl auch, jeden Vormittag um 10 Uhr, eine Wachablösung statt, wie man sie sonst vom Buckingham Palace kennt. Das Wappentier des Regiment ist ein Biber, welcher für Stärke, gute Arbeitsmoral und Teamwork steht, das Maskottchen ist aber eine trainierte Ziege, welche ein Geschenk der englischen Königin ist. War ist wahrscheinlich besser, denn es ist schon das 11. Tier, welches in der direkten Linie der Ziege steht, welche vor über 50 Jahren dem Regiment geschenkt wurde.
Ihr merkt, ich habe mich länger in der Zitadelle aufgehalten und der Führung gut gelauscht. Es gäbe noch mehr zu erzählen, aber das muss reichen.

Das Motto der Stadt und auch das Motto des Regiments.
"Ich erinnere mich."
Die Stadt erinnert sich der französischen Tradition,
das Regiment erinnert sich der gefallenen Kameraden.

Das Wappen, der Biber mit der Krone ist schwer zu erkennen.

Der Goat-Major mit der Ziege Batisse.





Aussicht von der Zitadelle über die Stadt,...

...und über den Fluss.
Den Rest des Nachmittags habe ich dann mit einem Stadtrundgang zugebracht und dort auch einen leckeren Hamburger in einem Irish-Pub genossen. Orientieren kann man sich in Quebec City sehr gut, denn die Stadt liegt im Schatten des Fairmont Le Chateau Frontenac. Heute wohl ein teures Hotel, war es früher die Residenz der Gouverneure von Neu-Frankreich. 
Weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt sind, außer der Zitadelle, unter anderem die Promenade, die Cathedrale Anglicane, welche die erste anglikanische Kirche außerhalb Großbritanniens war, der Basilika Notre-Dame, welche ihren Ursprung vom Gründer der Stadt Samuel de Champlain hat und das Hotel Dieu, welches das älteste Krankenhaus Nordamerikas ist.
Es gibt auch mindestens zwei interessante Museen, die ich gesehen, aber nicht besucht habe, denn ich war heute nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Außerhalb der Stadt gibt es wohl auch noch verschiedene Sehenswürdigkeiten, da ich aber eine davon morgen früh besuchen möchte, nehme ich nicht zu viel vorweg.


Das Fairmont Le Chateau Frontenac mit seinem markanten Turm.

Die Disney Magic liegt derzeit hier im Hafen.

Die Promenade des Gouverneur.








In der Basilika Notre Dame.








Den Abend habe ich dann heute nicht in der Stadt verbracht, sondern mir ein Motel etwas außerhalb gesucht. Heute werde ich früh schlafen gehen und so spare ich hier gut, da der Preis nicht einmal halb so teuer ist, als würde ich direkt im Zentrum schlafen. Der Plan für morgen ist, mich in der Umgebung um zu sehen und dann weiter den Fluss aufwärts zu fahren.
Heute fange ich an, mich in Gedanken von meinem Koffer zu verabschieden. Ich bin zwar noch zuversichtlich, dass er für die Rückfahrt halten wird, aber der erste Träger ist abgerissen. Es war zwar ein Werbegeschenk und von daher ist der Verlust nicht so groß, allerdings war der Koffer sehr praktisch und hat mich in den letzten Jahren doch recht oft begleitet.

Scranton - Newark

Ich bin auf dem Flughafen. Die letzten Stunden und Kilometer Autofahrt verliefen reibungslos. Der Verkehr nahm in Richtung New York City zu...